In Bielefeld arbeitet Deutschlands erste Demografiebeauftragte

Susanne Tatje hat einen ungewöhnlichen Job: Sie entwickelt einen Plan, wie die Stadt Bielefeld mit dem demografischen Wandel umgeht. Deutschland kennt Umweltbeauftragte und Frauenbeauftragte, nun gibt es in Bielefeld die erste Demografiebeauftragte, die “Projektbeauftragte für die demografische Entwicklungsplanung”, wie es genau heißt.

Mit Querschnittsaufgaben ist Susanne Tatje bestens vertraut, die Soziologin hat neben Verwaltungserfahrung auch Erfahrung in der wissenschaftlichen Forschung, beste Voraussetzungen für ihren ungewöhnlichen Job. In den vergangenen beiden Jahren hat Tatje ein Gesamtkonzept für Bielefeld entwickelt, das den Demografischen Wandel als Chance herausstellt – ohne die Risiken zu beschönigen.

Konstruktive Vorschläge statt Horror-Szenarien

Als Susanne Tatje 2004 ihr Amt antrat und sich einen Überblick über die Publikationen zum Stichwort “Demografischer Wandel” verschaffte, las sie nur Horror-Szenarieren: Verödete Städte, vergreiste Alte, die einer Gesellschaft nur als Kostenfaktoren zur Last fallen. “Das hielt ich zum einen für fachlich falsch. Und zum anderen empfand ich das auch aus persönlicher Betroffenheit für unerträglich”, sagt sie, die selbst Eltern im entsprechenden Alter hat.

Wissenschaftliche Erhebungen gehen davon aus, dass die Bevölkerung in Bielefeld deutlich schrumpft – bis zum Jahr 2050 wird die Einwohnerzahl von gegenwärtig 323.000 auf voraussichtlich 282.000 sinken. Tatjes Aufgabe ist es, Entwicklungen und Probleme des demografischen Wandels für Bielefeld zu untersuchen und Vorschläge zur Umsteuerung zu entwickeln.

Nur gemeinsam: demografischen Wandel gestalten

Sie will die Zukunft positiv beeinflussen – und weiß, dass das nur gemeinsam möglich ist. “Wir als Stadt müssen uns auf Ziele verständigen, wie die Zukunft gestaltet werden soll. Wir müssen uns fragen, in was für einer Stadt wir leben wollen”, erläutert sie ihren Ansatz. Susanne Tatje begann, ein Netzwerk zu knüpfen, initiierte Kooperationen mit Universität und Fachhochschule, Kirchen sowie dem Deutschen Städtetag und der Landesregierung NRW. Sie bezog die Stadtverwaltung aktiv mit ein, hörte Vorschläge und Bedenken an, befragte Initiativen und Stadtteilgruppen. Und sie holte Kinder und Jugendliche mit an den Tisch, denn um deren Zukunft geht es schließlich.

Nach Tatjes Ansatz stehen die soziale Integration der Menschen und eine aktive Familienpolitik im Zentrum guter Zukunftskonzepte. Den Lokalpolitikerinnen und –politikern in der ostwestfälischen Stadt hat die Demografiebeauftragte in hartnäckiger Überzeugungsarbeit einen einstimmigen Ratsbeschluss abgerungen. Sie habe “unendlich viel Geduld” aufgebracht, verrät sie, und manchen Kolleginnen oder Kollegen in Verwaltung und Lokalpolitik ziemlich an den Nerven gesägt. “Eine Nervensäge mit guter Laune”, wie sie selbst sagt.

Nach der “Sachstandsermittlung” und dem theoretischen Durchspielen von Szenarien hat sich Bielefeld nun auf konkrete Ziele und Handlungsschwerpunkte festgelegt: Unter anderem soll eine gezielte Integrationspolitik der Generationen und Kulturen betrieben werden, die Stadt will die familienfreundlichste in Nordrhein-Westfalen werden und die Stadtentwicklung soll dauerhaft und nachhaltig auf das Alter ausgerichtet sein.

Weitere Informationen:

» www.bielefeld.de

» www.strompreisvergleicher.com

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